Viele Menschen, die einen Volunteer-Dienst im Ausland machen wollen, möchten gern mit Tieren arbeiten. Wenn der Wahlkontinent Afrika lautet, dann ist es oft naheliegend mit Großkatzen zu arbeiten: Die sind nicht nur wunderschön und eindrucksvoll, sondern für viele Europäer schlichtweg der Inbegriff des Kontinents und seiner Flora und Fauna.

Was viele Reisende und potenzielle Volontäre nicht wissen, ist, dass in Afrika, auch und vor allem im Touristenmekka Südafrika, Geschäfte mit den hochintelligenten Großkatzen gemacht werden, die ganz und gar nicht schön oder gar nachhaltig sind.

Es gibt etliche Zuchtbetriebe, sogenannte Breedingfarmen, verteilt auf das ganze Land, in denen Löwenjunge von Hand aufgezogen werden. Auf diesen Farmen haben Touristen die Möglichkeit mit den kleinsten Löwenbabys zu kuscheln und sich mit ihnen ablichten zu lassen. Halbwüchsige Löwen und Löwinnen werden oft an der Leine spazieren geführt und ermöglichen den Besuchern so ein einmaliges Erlebnis – doch für welchen Preis?

Die meisten dieser Farmen und Organisationen schreiben sich den Artenschutz auf die Flaggen: Hier geht es angeblich um die Erhaltung des Königs der Steppe. Die Zucht diene der Durchmischung des Genpools, so lautet oftmals das Argument der Parkbesitzer und Leiter der Organisationen. Später würden die ausgewachsenen Löwen wieder ausgewildert, um sich in freier Wildbahn zu paaren und so für gesunden Nachwuchs zu sorgen.

Ein Großteil dieser Organisationen und Parks arbeitet dabei mit Volontären zusammen. Die sind zuständig für die Versorgung und Bespaßung der Tiere: Schon im Babyalter werden die kleinen Löwen als Touristenattraktion missbraucht und durch die gezielte Handaufzucht auf den Menschen geprägt. Das macht sie zu leichten Opfern in „freier Wildbahn“ – oder besser – in umzäunten Gebieten, die eine freie Wildbahn suggerieren.

Denn was die meisten von den Volunteers dieser Farmen nicht wissen: Was sie da tun, hat mit Nachhaltigkeit rein gar nichts zu tun. Die männlichen Löwen werden im Anschluss an ihre Aufzucht nicht selten für so genannte Gatterjagden genutzt:

Das heißt Trophäenjäger dürfen sie – oft mit Abschussgarantie der Veranstalter – jagen und töten, und das in einem begrenzten Gehege, das dem gejagten Löwen nur wenig bis keine Fluchtmöglichkeiten bietet. Für solche Jagden zahlen Jagdtouristen hohe Summen im fünfstelligen Bereich. Mit vielen falschen Versprechungen und teils romantischen Illusionen locken vor allem Raubkatzen-Züchter in Südafrika, aber auch in vielen anderen Ländern Afrikas, Volunteers in ihre Parks und angeblichen Schutzgebiete. Die Aussicht, sich um Löwen- und andere Raubkatzen-Babys kümmern zu dürfen, ist dabei eines der wichtigsten Werbeargumente und eines das zieht. Wer träumt nicht davon mit den niedlichen Kreaturen herumzutollen, sie zu berühren und gleichzeitig noch etwas Gutes für den Erhalt und die Gesundheit der Rasse zu tun?

Von außen ist es auf den ersten Blick nur schwer zu erkennen, ob eine Institution oder ein Projekt wirklich am Erhalt der Rasse oder der Auswilderung der Großkatzen interessiert ist, dennoch gibt es einige Auffälligkeiten, die einen schnell stutzig werden lassen sollten. Wenn es Lioncubs, also die ganz kleinen Löwenbabys, in Massen gibt und diese alle von Menschen aufgezogen, bespielt und beschäftigt werden, ist tendenziell etwas faul. Wildtiere dieser Art können nur schwer bis gar nicht ausgewildert werden, wenn sie engen menschlichen Kontakt gewöhnt sind. Auch eine Vielzahl an männlichen Löwen kann ein Anzeichen dafür sein, dass der Betreiber der Farm sie in die Trophäen- und/oder Gatterjagd verkauft, denn ein Löwe mit prächtiger Mähne als Ziel bringt auf dem hiesigen Markt deutlich mehr ein, als eine Löwin.